Donnerstag, 6. Juni 2013

#Reisebericht: Protea Banks - Ab zu den Haien 2010

Ziel:                     Südafrika
Tauchgebiet:         Protea Banks / Sodwana Bay
Tauchbasis:           African Dive Adventures / Coral Divers
Reisezeitraum:       26.12.2010 - 12.01.2011


Es war Zeit wieder Kraft zu tanken, die Energiereserve leuchtete bereits, der wochenendliche Alkohol half auch nicht mehr beim Vergessen. In „Mein Tauchspot“ lenkte ein Artikel von Gerhard Wegener, Vorsitzender von Sharkproject, mein Interesse auf die Protea Banks.
Eines Abends, der Arbeitstag war erneut Kräfte zehrend, buchte mein Unterbewusstsein im Affekt einfach mal den Flug. Ha, überlistet habe ich dich Vernunft! 
Und in der Tat, die Eckpfeiler der Reise waren somit unumstößlich gesetzt. Das zweite Tauch-gebiet meines noch kurzen Taucherlebens hieß Protea Banks!
Es ging mit einem gerade errungenen OWD und AOWD von den Malediven hinaus in die weite Welt, und als allererstes wurde nun Kleinfisch gegen Großfisch getauscht.

African Dive Adventures – Protea Banks mit Roland Mauz

Meine erste Station legte ich bei Roland Mauz und den African Dive Adventures ein. Dort war ich vom 27.12.- 03.01.2010. Den Zeitraum hatte Roland mir als Alleintaucher vorgeschlagen, da vom 28. - 03. u.a. eine Gruppe 5 weiterer Deutscher bei Roland tauchte. Roland schlägt jeden morgen sein mobiles Lager im Hafen von Shelly Beach unter  3 großen Sonnenschirmen auf, von dem es dann mit den berüchtigten Zodiac’s hinaus auf die Protea Banks geht.


Rolands Tauchbasis:

Ausgestattet ist Roland mit allem was ich persönlich gebraucht habe. Nitrox ist ebenso vorhanden wie ausreichend große 15L-Luftflaschen, was gerade bei den Rifftauchgängen vor einigen Minuten Dekozeit oder einem kürzeren Tauchgang bewahrt.
Launching mit Zodiacs
Das Briefing vor meinem ersten Tauchgang mit Roland war sehr ausführlich und auf die wichtigen Dinge wurde ausgiebig hingewiesen. Es wurde der Ablauf mit den Zodiacs erklärt. Die Fahrt mit dem Zodiac dauert ca. 13 Minuten zur Südseite, die im Sommer in der Regel betaucht wird. Alle Tauchgänge sind Strömungstauchgänge, die während meiner Zeit von sehr stark bis laues Lüftchen schwankte. Laues Lüftchen ist ideal um mal an die Nordseite der Protea Banks zu gehen. Da man aber nie wirklich gegen die Strömung anschwimmen muss macht sich das nicht wirklich bemerkbar, Strömung erschwert das Tauchen auf der Nordseite dahingehend, dass man die Höhlen treffen muss.
Während der Fahrt hinaus mit den Zodiacs ist der Seegang keinerlei Problem, erst dann wenn das Boot steht und schön mit den Wellen schaukelt, heißt es die Küste fokussieren und ausharren. Hat man den Zielpunkt erreicht legt man die komplette Ausrüstung an und macht sich tauchbereit. Haben alle das ok-Zeichen gegeben wird erneut zum Zielpunkt gefahren, der Skipper zählt von 3 runter und es geht mit einem negativen Einstieg auf 5m Tiefe. Dort wird erneut von allen das ok-Zeichen erfragt und es geht zügig abwärts auf 30m und tiefer. Der Divemaster hat immer eine Boje mit Leine bei sich um dem Skipper den aktuellen Ort der Tauchgruppe zu zeigen. Die Leine kann und wird ebenfalls dazu benutzt um Tauchern einen langsameren Abstieg zu ermöglichen ohne die Gruppe gleich zu verlieren. Jeder Tauchgang dauert in etwa 40min. Der Divemaster konzentriert sich darauf nach Haien Ausschau zu halten und diese rechtzeitig zu signalisieren damit jeder sie sehen kann. Darauf wird übrigens ebenso deutlich hingewiesen, wie dass der Divemaster kein Babysitter ist, jeder hat unter Wasser für sich selbst zu sorgen bzw. mit seinem Buddy (abgesehen natürlich von Notsituationen).  
Die Wassertemperaturen lagen zwischen 22°-25°, getaucht bin ich mit einem 7mm Nassanzug. Das war zwar an den sonnigen Tagen an Land kurzzeitig etwas warm, aber unter Wasser und insbesondere bei den angefütterten TG bei denen man 80 Min unter Wasser ist, würde ich das als Minimum empfehlen.

Mein erster Tauchgang:

Ich habe bewusst die allgemeine Erklärung von meiner persönlichen Erfahrung des ersten Tauchgangs getrennt. Man kann es durchaus als „Kulturschock“ bezeichnen. Frisch ausgestattet mit meinem  AOWD von den Malediven habe ich das Tauchen dort doch etwas zu leicht genommen. Hinzu kommt, dass ich mit dem Großteil meiner eigenen Ausrüstung zum ersten Mal getaucht bin und auch alleine unterwegs war. Ich hatte sprichwörtlich alle Voraussetzungen erfüllt für einen Sprung ins kalte Wasser. Unter Wasser war ich nahezu ausschließlich damit beschäftigt mich selbst in die Reihe zu bekommen und von der Schnapp- in eine normalere Atmung überzugehen. Nach exakt 25min hatten meine Lungen die Munition verfeuert und ich saß wieder auf dem schaukelnden Zodiac. Bei Roland ist es grundsätzlich kein Problem wenn man auftaucht und der Buddy seinen TG weiter- bzw. zu Ende führt, was ich auch sehr gut finde. So versaut man nicht dem Buddy (in diesem Falle meinem) den Rest des TG und man regt sich unter Wasser nicht auch noch darüber auf, dass man den Buddy mit nach oben nimmt, wenn die Luft schnell leer ist. Dafür hat man die Leine an der Boje und kann nach dem abmelden langsam aufsteigen.
Meinen ersten TG an den Protea Banks konnte ich also getrost als Check-Dive ad acta legen. Und vorweggreifend dem Ende sei gesagt: Meiner Einschätzung nach ist der erste TG dort für jeden ein Check-Dive, erst später hat man den richtigen Blick und das Wissen um die Protea Banks spektakulär betauchen zu können.

Wichtiger Tipp Nr. 1: Beendet ihr den TG deutlich früher als alle anderen, dann vermeidet es zu früh aufs Zodiac zu klettern. Seekrankheit ist nahezu garantiert!!!
Wichtiger Tipp Nr. 2: Beim geringsten Anzeichen von Sonne: EINCREMEN!!! Nach meinem ersten Tag habe ich mir dann lieber 50er-Creme gekauft.

Nun wieder etwas sachlicher:

Am  2. Tag war dann auch die Gruppe der 5 Deutschen mit von der Partie. Den ersten Tauchgang morgens habe ich aufgrund der nachwirkenden Erfahrung vom 1. TG noch ausfallen lassen und habe erst am 2. TG teilgenommen, einem angefütterten TG.
In der Tauchgruppe fand sich auch das Beispiel wie man es als Rookie richtig machen sollte, nämlich mit einer Gruppe sehr erfahrenen Tauchern auf die Protea Banks zu gehen. Das schafft gleich wesentlich mehr Sicherheit und die Freunde aus der Gruppe können sich dann auch etwas um das „Baby“ kümmern, auch ich habe mich mit der Gruppe sehr gut verstanden und fühlte mich allein durch die Anwesenheit und die Bekanntschaft der sehr erfahrenen Taucher sehr ruhig und entspannt.
Also: Wenn schon Rookie, dann Babysitter mitnehmen ;)

Der angefütterte Tauchgang - Baited Dive:

Der überwiegende Teil meiner Freunde denen ich davon erzählte reagierte etwas verstört, meißt aber im Allgemeinen ungläubig. dass man nicht nur mit Haien taucht, sonder sie auch noch anfüttert und dann ohne Käfig mit Ihnen ins Wasser geht.
Hört sich krass an, sind aber auch einfach nur geniale Tauchgänge ohne einen einzigen Zwischenfall bei Roland.


Für die angefütterten TG gab es ein extra Briefing in dem ausführlich auf die Einzel- und Besonderheiten des angefütterten Tauchgangs eingegangen wurde. Wie gehabt, alles sehr professionell. Letztlich sind es 4 Grundregeln auf die es ankommt: „Global awareness“, nicht vor einem Hai wegschwimmen und ihm den Rücken zudrehen, nicht im Bait schwimmen und nicht tiefer als der Futterkorb sein (sonst zieht man die Haie mit runter und das ist unnötig denn es verbraucht nur mehr Luft).
Ansonsten ist das Tauchen im Vergleich zu den Rifftauchgängen ein Kinderspiel. Man kann ins Wasser wann man will, kann zwischendurch jederzeit hoch ans Boot (z.B. um Kamera zu holen oder abzugeben) und auf 10m Tiefe liegen auch sonst keine Probleme an J.

Der Bait ist die sogenannte Duftwolke und die Köder, die der Futterkorb in der Strömung hinter sich herzieht.
Bei einem Baited Dive wirft man eine Waschtrommel gefüllt mit Sardinen und Fischöl ins Wasser, wirft kleingeschnittene Sardinen zusätzlich immer wieder hinterher und kutschiert damit ca. 20-30 Min. auf dem Meer herum. Nach einer gewissen Zeit geht der Divemaster ins Wasser und gibt ein Zeichen sobald Haie am Futterkorb (0-10 Min.) sind und die Tauchgruppe ebenfalls ins Wasser steigen kann. Idealerweise bleibt man als Gruppe eng zusammen, dann kommen auch die Haie näher. Und haben sich diese erstmal eingewöhnt so bleiben Sie auch bis zum Schluss. Die Tauchzeit wird hierbei von Roland nicht vorgegeben, die Tauchtiefe beträgt ca. 10m, üblicherweise dauert der TG dann 70-90min.  Bei Rolands Baited Dives finden sich vorrangig viele Zambesis (Bullenhaie), einige Black Tips und in der Regel 1-2 Tigerhaie ein. 

Und es lohnt sich!!!         



Bei strahlendem Sonnenschein,  sehr guter Sicht (>20m) war es eine Wucht die Schönheit dieser Tiere aus nächster Nähe betrachten zu können. Für mich hatte es zu keiner Zeit etwas bedrohliches, sondern es war einfach nur ein atemberaubendes Naturschauspiel, dass man mit dem nötigen Respekt verfolgen konnte.
Leider hatten wir bei diesem TG ein Pärchen dabei, dass die Anweisungen auf italienisch nicht ganz kapiert hat und direkt zu Beginn an den Futterkorb schwamm und so den Tigerhai relativ schnell vertrieben hat.
Viele Zambesis und 3 Black Tips blieben aber bis zum Schluss. Waren die Zambesis eher die eleganten Gleiter durch die Meere, versprühten die Black Tips deutlich mehr Hektik und schwammen auch kreuz und quer durch unsere Gruppe.
Hammerhaie kommen selten ans Bait, mit Glück streifen Sie in sicherer Entfernung mal vorbei, der Bait ist Revier von Zambesi, Black Tip und Tigerhai!
Nach 80 Min. war es fast schon traurig wieder das Sonnenlicht erblicken zu müssen.

In der ersten Woche bei Roland habe ich insgesamt 5 Riff-TG und 2-Baited-TG gemacht. 4 der Riff-TG auf der Südseite, der letzte früh morgens am 03.01. auf der Nordseite da glücklicherweise an diesem Tag keine Strömung war. Am Tag zuvor noch traf uns das Schicksal hart. Strahlendes Wetter aber ein starker Süd-Ost-Wind ließ die Wellen früh brechen und den Hafenmeister zum Schluss kommen, den Strand nicht zu öffnen. Man muss (leider) jederzeit einkalkulieren, dass man auf den Protea Banks mal einen Tag dem Wind opfern muss, üblicherweise mündet dies aber in verbesserte Sichtweiten an den darauffolgenden Tagen. Wenn, ja wenn nicht dann der ungeliebte Regen wieder zuschlägt. Und im Dez/Jan ist nun mal auch Regenzeit im Großraum Durban. Letztlich war über die gesamten 14 Tage ca. die Hälfte Regen und die andere Hälfte sonnig/bewölkt. Silvester beispielsweise hat es durchgehend von morgens bis tief in die Nacht einfach nur gepisst. Dennoch bleiben mir die beiden Tauchgänge an diesem Tag im nach hinein ebenso in noch besserer Erinnerung, denn an den Protea Banks tauchen eben Männer&Frauen und nicht Boys&Girls. Und trotz des Wetters gab es bei An- und Abreise des Boots eine Delphinschule die uns begleitet hat und unter Wasser war ebenfalls eine Hammerhaischule neben einzelnen anderen Haien zugegen

 The Northern Caves:

Zurück zur Nordseite. Mit der Strömung betaucht man dort drei sogenannte Caves, schlicht 3 Löcher im Riff in die man hinein tauchen kann. Und in einer der Caves hielt sich sogar noch ein Sandtigerhai auf, atemberaubend und phantastisch.  Falls möglich, sollte man diese Seite ebenfalls nicht auslassen. Im südafrikanischen Winter wird Sie regelmäßig betaucht, da dort dann die Sandtigerhaie in großer Anzahl vorhanden sind. (Ragged Tooth Tour 2013)

Der 2. TG an diesem Tag war der unspektakulärste während der ersten Woche. Das Wetter hatte mittlerweile wieder massiv zugezogen und es regnete aus Strömen, die Sicht bei ca. 5-10m ließ sich nichts weiter blicken außer Stammgast Billy Bob Steinberg, ein Zackenbarsch der die ein oder andere Streicheleinheit gern hat.
Ich konnte diesen TG locker verschmerzen und bin halt ein bisschen mitgepaddelt unter Wasser. Für die 2 Österreicher die nur für einen Tag gekommen waren, war dies natürlich Pech (Ich selbst hatte dieses Pech bei meinem einzigen Tag in Aliwal Shoal bei Walter).
Wichtiger Tipp Nr.3: Ich rate eher davon ab nur für einen TG an die Protea Banks zu gehen wenn ihr dort zum ersten mal tauchen würdet. Selbst wenn das Wetter, etc. alles top werden soll, so ist der erste TG doch immer wie oben schon beschrieben nur ein Check Dive und erst beim 2. und 3. Riff-TG sieht man die UW-Welt in all ihren Facetten.
Man braucht hier einfach etwas Eingewöhnungszeit. Beherzigt diesen Rat und ihr habt eine tolle Zeit! Meine Empfehlung sind 5-7 Tage.

Die Hälfte der Reise war hinter mich gebracht. Nein, dieser Satz bildet nicht meine Gefühlslage wieder. Jetzt lagen lediglich noch 7 Tage Südafrika vor mir, würde es ebenso wenig treffen. Europa war weit weg. Ich ertappte mich zwar regelmäßig beim surfen auf Facebook ob es noch steht, aber jegliches Gefühl für die Zeit über den Tag
hinaus war verflogen.
Irgendwo in Freiheit zwischen Raum und Zeit ging es dann nach Richard’s Bay zu meinem Kumpel und dessen Freundin. Durchwachsenes Wetter  lag hinter mir und ich wurde täglich von den beiden gelockt mit famosen Wetterberichten.
Doch meine Rechnung hatte ich natürlich ohne meine kleine Regenwolke gemacht.
3 Tage Richard’s Bay sind zusammengefasst in ein Wort: Regen!

Sodwana Bay:

Es gab einen weiteren Tauchspot den ich mir aus Deutschland als mögliches Ziel ins Auge gefasst hatte: Sodwana Bay.
Die Wahl fiel auf die Coral Divers, diesmal nicht ganz so instinktiv. Da meine Freundin einen Discover Scuba Diver machen wollte, schien mir diese Tauchbasis die geeignetste.
Die Basis liegt inmitten des Nationalparks. Der Wetterbericht versprach super Wetter, die Realität hatte (mal wieder) viel Regen im Gepäck. Do morgen absolvierte ich zwei Tauchgänge am nahegelegensten 2-Mile-Reef, ist ein bisschen Malediven light gewesen, alle gängigen Fischarten waren da, dazu Moränen, kl. Rochen, Steinfisch, etc...
Hütte im Camp von Sodwana Bay
Am Fr war dann die Brandung zu stark, der Tauchtag ist komplett ausgefallen, zumindest schien nachmittags die Sonne. Am Sa war das Wetter wieder nicht besser, trotzdem 3 Tauchgänge, allerdings hat man wegen der Strömung wieder nur 2-Mile-Reef und nicht die angeblich sehr viel schöneren 5 bis 9-Mile-Reefs angefahren. Das Coral Divers Camp lag mitten im Sodwana Bay Nationalpark, Unterbringung in Holzhütten, war alles ganz nett gemacht. Die Dive-Master waren alle so in meinem Alter.


Nach diesem Kurz-Trip nach Sodwana Bay bin ich Sa Abend dann wieder zurück
nach Shelly Beach um meine letzten Tage in SA wieder bei Roland zu verbringen. Wohnen konnte ich diesmal im Taucherhaus, ich fands genial dort und absolut preiswert, Bilder gibt’s auf der Homepage: http://www.afridive.com/eb215/diver-villa-margate.html

Taucherhaus Margate
Die restlichen Tage: 

Der Sonntag hatte endlich mal wieder traumhaftes Wetter im Gepäck und jetzt zahlte es sich voll und ganz aus zu wissen, wie ein Tauchgang an den Protea Banks abläuft.
Ohne viel Zeit und Gedanken an den Abstieg zu verlieren hat man direkt alle Hände frei sich auf die Umgebung zu fokussieren und es zeigten sich direkt mehrere Hammerhaie und Zambesis
Di morgen hab ich dann mit Roland meinen Abschlusstauchgang gemacht mit perfekter Sicht von >20m auf 0-20m Tiefe aber "leider" haben sich keine Hammerhaie gezeigt, sondern es sind "nur" 4 Zambesis dauerhaft mit uns mitgeschwommen und 3 dusky-Haie haben sich aus der Entfernung blicken lassen.

Fazit:

Die Protea Banks mit Roland zu betauchen darf einfach in keinem Logbuch und keinen Erinnerungen fehlen. Und im Gegensatz zu vielen anderen Spots an denen es ebenfalls Haie gibt haben die Protea Banks noch ein aufregendes und interessantes Südafrika im Gepäck, dass es ebenfalls zu erkunden gibt. 

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