Donnerstag, 22. September 2016

#Technik: Tauchen mit der Xiaomi Yi im Praxistest - Wo positioniert sich der Einsteiger?

Mittlerweile wird man ja mit Brands aller möglichen Actioncams aus dem chinesischen Markt nur so überrollt. Beispielhaft genannt sei die SJ4000 die es in allen möglichen Namensvarianten gibt, im Prinzip ist aber immer das gleiche verbaut. Jetzt also auch noch Xiaomi. Oder doch nicht? Wer ist das überhaupt?

Wer oder Was ist Xiaomi:
Bekannt geworden ist Xiaomi mit einem Smartphone (dem M1) High-Endgerät zu einem sehr günstigen Preis. Erst in 2010 gegründet gehört es bereits wenige Jahre später zu den TOP-3-Smartphoneherstellern. Xiaomi ist also nicht irgendeine hübsche Hülle die über eine zugekaufte Actioncam bestülpt wird, Xiaomi ist der reale Hersteller.  Und nun versucht man auch der GoPro paroli zu bieten. Die Xiaomi ist mal ein erstes Statement in den Markt der Actioncams. Bereits ab 60€ zu haben und mit technischen Details die an die GoPro Hero 4 heranreichen oder Sie teilweise übertreffen. Das bedarf auch eines genaueren Blicks für uns Taucher.

Die technischen Daten:
  • 16 MP Sony Exmor R-Sensor
  • 155° Weitwinkel
  • 1080p bei maximal 60 fps, kein 4K
  • 120 fps bei 720p, 240 fps bei nur 480p
  • Akku hat 1010 mAh (austauschbar)
  • microSD-Slot (maximal 64 GB)
  • WLAN, HDMI mini, microUSB
  • 1010 mAh Akku (identisch GoPro Hero 4 Black)
  • 72 g, zwei Tasten

Der Lieferumfang:
60€ mit technischen Highclass-Spezifikationen bedürfen natürlich irgendwelcher Abstriche. Für 60€ bekommt man die Cam, ein Daten-/Ladekabel (das bei mir direkt kaputt gewesen ist) und den Akku.
Ich habe mir die Cam hier auf Ebay besorgt: Xiaomi Yi bei Ebay
Ein UW-Gehäuse gibt es bereits zwischen 8-20€. Das soll bis 40m wasserdicht sein. Da bin ich mal gespannt. Bei meinen ersten Tests im Schwimmbad gab es keinerlei Probleme aber der Verschluss ist beim öffnen häufig aus der dünnen Halterung gesprungen. Wieder reingedrückt und gut, aber für die breite Masse dürfte das ein Kritikpunkt sein. Da hapert es an der Verarbeitung, was man von der Kamera selbst nicht behaupten kann. Die ist hochwertig verarbeitet.
Ebenso nicht enthalten ist ein Display. Da man fürs tauchen das Handy nicht mitnehmen kann ist dies eigentlich ein Muss. Im Display-Set kommt dann auch gleich eine passende Rückwand für das Tauchgehäuse mit, da die Kamera insgesamt mehr Tiefe bekommt.

Ich selbst habe darauf verzichtet, da Sie mich einfach mal zum testen interessiert hat und ich hauptsächlich mit meiner GoPro Hero 4 Black filmen werde bzw. mir auch gleich den Nachfolger der Yi, die Yi 2 4k geholt habe. Und diese verfügt ab Werk über ein Display. Dort gibt es dieses Problem dann nicht mehr.
Mit Tauchgehäuse und Display ist man dann bei knapp 100 - 120€ komplett und kann gegen die GoPro antreten. Wer noch Halterungen etc. von früher hat kann sich freuen, diese passen. 

Die Kamera:
Da mache ich mir jetzt nicht die doppelte Mühe. Wen Aussehen, Verpackung, App etc. sehr im Detail interessieren, der sie an das nachfolgende Video verwiesen:




Die Firmware:
Hier könnt ihr euch passend zur Seriennr. eure aktuellste Firmware downloaden:
http://www.xiaoyi.com/update/sports?lang=de
Der Clou an der Firmware ist, dass Sie mehr oder weniger "Open Source" ist und sich ein paar findige "Bastler" schon ans Tuning gemacht haben. Denn der Chip kann deutlich mehr als Xiaomi freigibt. Ähnlich eines Mercedes-Motors, dem man ein Chip-Tuning verpasst. So kann man sich die Firmware fast individuell auf seine eigenen Bedürfnisse zuschneiden.
Laut den sehr fleißigen Usern von Dashcamtalk läuft die Kamera am stabilsten mit einer Auflösung von 2304 x 1296 bei 30 fps und einer Bitrate von 35Mbits.

Neue Firmware flashen:

Das „flashen“ der Xiaomi Yi Firmware ist kinderleicht:
  1. Die Datei Firmware_[VERSION].bin auf leere Speicherkarte kopieren. Sie sollte mit FAT32 formatiert sein.
  2. Cam mit eingelegter Speicherkarte einschalten.
  3. Die Cam blinkt vorne nun blau
  4. Die Installation ist beendet, sobald die Kamera vorne konstant blau leuchtet.
  5. Jetzt könnt ihr filmen oder fotografieren
Darüber hinaus kann ebenfalls das auf der Kamera befindliche "Skript" adaptiert werden. Es liegt schlicht im obersten Verzeichnis der SD-Karte und nimmt keine permanenten Änderungen vor. Löscht man das Skript werden beim nächsten Neustart die ursprünglichen Werte der Firmware wieder übernommen. Es kann mit dem Texteditor bearbeitet werden.
Mit zahlreichen Werten kann man sich das Bild an die jeweiligen Verhältnisse anpassen. Es gibt ein Tag-Skript, ein Nacht-Skript und zwei uns uns für Taucher erstellte Skripte. Eines ist für filmen ohne Rotfilter (mit/ohne Videoleuchte) und eines für das filmen mit Rotfilter:

Tag-Skript (Passwort: "Tag")
Nacht-Skript (Passwort: "Nacht")
Unterwasser (Passwort: "Unterwasser")

Die Xiaomi Yi im Kurztest über Wasser:
Im Foto sieht man den etwas größeren Weitwinkel der GoPro. Farblich treffen beiden Cams sehr gut meine Vorstellungen von einem schönen Bild. Auch die Detaillierung ist sehr gut, Konturen an den Wolken und Bäumen sind gut zu sehen. Das positive Fazit aus den Tests der Nachbarblogs kann ich somit bestätigen. Beeindruckend welche Leistung 60€ auf die Mattscheibe bringen. Und auch die App funktioniert hervorragend zur Steuerung über Wasser.

Foto 12 MP - GoPro Hero 4 Black
Foto 12 MP - Xiaomi Yi


Der Beschaffungsweg:
Die Kamera bekommt ihr derzeit wohl am einfachsten direkt hier:
Xiaomi Yi - Ebay

Display-Set inkl. UW-Gehäuse:
Display-Set bei Gearbest.com

Unterwassergehäuse gibt es ebenfalls auf Ebay, z.B:
UW-Gehäuse Xiaoimi Yi Ebay (60m)
UW-Gehäuse Xiaoimi Yi Ebay (40m)

Inwiefern man der 60m-Angabe trauen kann mag ich bezweifeln. Evtl. ist schlicht der Clip etwas hochwertiger und besser verarbeitet, das wären mir die 2€ wert. Die 60m würde ich damit vermutlich trotzdem nicht permanent ausreizen. Auf jeden Fall sollte ein eine eckige Linse gekauft werden und nicht die runde um mögliches Zubehör für die GoPro evtl. unter Wasser verwenden zu können.
Rotfilter, Magentafilter und Makrolinse für das eckige Gehäuse der Xiaomi Yi gibt es hier:
http://magic-filter.de/index.php/actioncam-produkte/rotfilter-magentafilter-makrolinse-Xiaomi-Yi.html
Allerdings muss man sagen, dass ich es nicht hinbekommen habe das Skript sowohl auf Tauchen mit Licht als auch auf den Rotfilter zu adaptieren. Sobald ich diesen davorgehalten habe wurde das Bild deutlich dunkler.

Die Yi unter Wasser:
Mit unserem adaptieren Tauchskript haben wir die Bedinungen auf dunkle Umgebungen angepasst. Selbst mit der starken Rauschreduzierung ist kein verwischen der Kanten deutlich sichtbar (wie z.B. bei der Actionpro X8). Da ich auch die Yi 2 mit unter Wasser hatte habe ich aus zeitlichen Gründen mich auf die Y2 konzentriert. In kurzen Tests ist die Leistung sehr ordentlich im Low-Light-Bereich. Aber wie oben beschrieben haben wir es nicht geschafft dass die Cams sauber mit/ohne Filtern arbeitet. Für farbenfrohe Videos sollte Sie das aber schon tun.

Fazit:
Die Yi schlägt in ihrem Preissegment alle Vergleichskameras qualitativ deutlich. Allerdings benötigen wir Taucher Display und Gehäuse. Zusätzlich muss man dann noch den Aufwand treiben die neueste Firmware und jeweils immer das passende Skript aufzuspielen. Service & Reparatur fraglich. Aus diesem Grunde habe ich den UW-Test auch ausgelassen und werde in kürze den Bericht zur Xiaomi Yi 2 bringen, die dann direkt ein integriertes Display hat und in den Leistungsdaten sogar vor der GoPro Hero 4 Black liegt.

Positiv:
- Preis-Leistungsmäßig unschlagbar
- Sehr gut verarbeitet
- Hervorragende Qualität der Aufnahmen

Negativ:
- kein deutscher Support. Service&Reparatur fraglich
- Qualität des UW-Gehäuses nicht hochwertig, Ladekabel direkt defekt
- Display und UW-Gehäuse muss zugekauft werden (aber günstig)

Anhang:
Komplettes Datenblatt von:
http://www.digitaleyes.de/Tests/Testbericht_Xiaoyi_Xiaomi_Yi_Motion_Camera_Actioncam/9625

Keine Kommentare:

Kommentar posten