Donnerstag, 19. September 2013

#Reisebericht: M/Y Seawolf Felo - Tauchsafari zu den südlichen Highlights

Ziel:                 Ägypten
Safariroute:       Daedalus - Rocky/Zabargad - Fury Shoals - Elphinstone 
Safariboot:        M/Y Seawolf Felo 
Reisezeitraum:   25.07.-01.08.2013

Anreise:
Wir verlassen Deutschland bei hochsommerlichen 35 Grad um in den Glutofen Ägyptens zu entschwinden. Die Oberfläche soll auch nicht das Ziel sein: Unterwasser ist wieder der Fokus!
Kurzfristig haben wir uns dem Vollcharter von meinem Freund Supp Diving Heilbronn angeschlossen, eine letzte Kabine war auf der Seawolf Felo noch frei. Nach 2x Independence II auch mal etwas Abwechslung vom Schiff :)
Für 30kg Tauchgepäck waren am Schalter der SunExpress 80€ für Hin- und Rückflug zu berappen, dies und auch anderes Sportgepäck muss vorab angemeldet werden. 
Die 24h Verspätung der Lufthansa beim letzten Südafrika-Flug hielt das Schicksal dann wohl doch für etwas zu hart: es gab kostenlose Sitze am Notausgang :) Leider waren die Sitze nicht nach hinten klappbar, da hatten Sie wohl aus der hintersten Ecke noch einen Flieger gewühlt. Und auch der neue Service vermochte mich nicht wie versprochen zu "begeistern"! Jetzt kosten nämlich sogar schon Getränke extra! Aber insgesamt lief alles reibungslos. Auf dem Flug haben wir sogar noch den 10 Minuten früher gestarteten Parallelflug der SunExpress überholt, in welchem der Rest der Tauchgruppe saß, und so waren wir die Ersten am Zielort.
Auf geht's zu einer sicherlich spannenden Woche auf hoher See.


Das Tauchsafarischiff:
Die Seawolf Felo gehört mit Ihren fast 40m Länge zur Oberklasse der im Roten Meer verkehrenden Safarischiffe. Für insgesamt 20 Leute ist auf allen Decks ausreichend Platz, so dass man auch hier immer ein sonniges oder schattiges Plätzchen finden konnte. Auch der Salon und Essbereich ist geräumig,selbst bei sibirischer Kälte von 20°C im tiefsten ägyptischen Winter hätten sicher alle ein Plätzchen finden können.  Die Zimmer sind ebenfalls gut, ein Wermutstropfen ist hingegen das Bad, das ist schon sehr klein. Insgesamt ist das Schiff sehr gut in Schuss, wenn auch kleinere Mängel, wie aufgerissene Polster, auffallen. Unschön war die auf unserer Tour mehrfach ausgefallene und am Ende schließlich komplett defekte Nitrox-Anlage. Da fehlte eindeutig die Kühlung. 
Aber vorweg: Die Mängel werden durch eine hervorragende Crew wieder wett gemacht! Stets hilfsbereit, zuvorkommend und freundlich. Technisch versiert halfen Sie bei vielen kleinen Defekten an unserer Ausrüstung stets kompetent aus! 
Ein RIESENLOB! 

Check-Dive: Marsa Shona
Das geniale an einem Vollcharter: Alle sind zur gleichen Uhrzeit da. Und wir flogen alle morgens um 7:00 Uhr. 
13:00 Uhr Marsa Alam. 
15:30 Ablegen vom Hafen. 
16:30 Check-Dive Marsa Shona
An genau diesem Platz hatten wir über Ostern das Dugong. Das wäre ein wahnsinniger Start, aber leider auch zuviel des Guten. Es bleibt bei Kugel- & Igelfisch, Schwärmen von gelben Meerbarben, Kofferfischen, Rotfeuerfischen und Trompetenfische. 
Und Abends geht's bereits Richtung Daedalus. Sobald kein Wind weht ist es selbst auf dem Schiff tendenziell wie in einer finnischen Sauna.

Daedalus
Irgendwie habe ich die Nacht auf dem Schattendeck dann doch rumgebracht und zwischen Wind und Hitze den Kompromiss gefunden. Bereits am Morgen zum Sonnenaufgang bin ich wach. Drei weitere Boote liegen an Daedalus, trotz dass wir bereits Freitag dort sind. 
Hammerhai am Daedalus-Riff
Um 6 geht es ins Wasser. Und wir legen gleich richtig los. Nach 5 Min. passiert 40m unter uns der erste Hammerhai und ich werde wieder zum hibbeligen Kleinkind. Und die Technik will natürlich auch nicht. An der 1. Action-Cam ist die Batterie leer. An der 2. den falschen Knopf gedrückt und an der Fotokamera noch die Einstellungen auf Magic Filter vom Vorabend gehabt. Bis alles in die Reihe gebracht ist bin ich bereits auch auf 40m und uns umkreisen 4 Hammerhaie extrem nah. Auch ein grauer Riffhai mit stattlichem Gewicht gesellt sich dazu. 
Ein atemberaubender Start! Und Tunas, Stachelmakrelen und Barracudas finden wir ebenfalls auf dem Weg zurück zum Riff. 

Clownfisch in Nemo-City am Daedalus-Riff
Einen Zwischentauchgang muss ich aufgrund noch nicht voller Flasche ausfallen lassen. Die Kollegen haben die komplette Schule auf 25m! 
Tauchgang 3 soll uns nochmals die Hammerhaie bringen, bringt aber nur Blau. Aber beim Austauchen gibt es auch genug zu sehen. Und den letzten Tauchgang verbringen wir 80 min. an Nemo City. Ich könnt ewig dort bleiben :)
Wir lassen den Abend entspannt bei Bacardi und Cola ausklingen und Lolles Geburtstag wird ebenfalls tanzend und mit einem Kuchen gefeiert. Spät geht es ins Bett...schwitzend!



Kurz vor 5 geht es auch am Folgetag aus den Federn. Bereis 6 Boote liegen nun am Daedalus-Riff und obwohl wir um 6.10 auf dem Weg zum Tauchplatz sind, sind bereis 3 Zodiacs vor uns da. Wir entgehen zwar dem Rudeltauchen, da die große Gruppe nahe am Riff bleibt und wir hinausschwimmen ins Blauwasser, aber auch das bringt uns nicht all zu viel. 2 entfernte Hammerhaie passieren uns. Wir bleiben auf max. 25m und tauchen wieder ca. 75 Min.
Am Riff gibt es dann viele verschiedene Schwarmfische die alle an uns vorbeiziehen und und von Stachelmakrelen gejagt werden.
Um 9 dürfen wir noch einen Zwischen-TG packen. Kein einziges Zodiac ist mit uns auf dem Weg. Alle anderen sind gerade zurück bzw. frühstücken schon. Bei idealen Lichtbedinungen geht es hinaus ins Blaue. As erstes steht nahe der Oberfläche eine Schule Barrakudas. Aus denen sich ein Großer löst und uns alle extrem nahe inspiziert. Auch für 40m ist es noch ein Stück tiefer wo sich große Tunas, Stachelmakrelen und eine Riesen Bastard-Makrele tummeln. Plötzlich kommen einige der Makrelen und Tunas direkt auf uns zugeschossen aus der Tiefe. Eine jagt durch meine Beine hindurch und streift mich. Brrr... Das Fortpflanzungszentrum bleibt zum Glück verschont =)

Doch größer wird es nicht. Es bleiben in der Ferne noch 1 Hammerhai und 1 grauer Riffhai.
Der nächste reguläre TG ist um 11:00. An der Nordostspitze springen wir ab und tauchen zurück zum Boot. Und natürlich wenn der Computer bei jedem weiterem Tiefenmeter schon Ausschlag bekommt, dann tauchen auf 40m zwei entspannte Hammerhaie auf. Dann halt aus der Ferne. Es folgen die ersten zwei Muränen. 1 großer Stachelrochen ist 30m unter uns leider auch zu weit entfernt. Nur 1 Napoleon passiert uns auf Augenhöhe und lässt sich filmen.
Zum letzten Tauchgang geht es an die Nordost-Spitze. Nochmal Hammerhaie probieren. Auf dem Weg dorthin sind bereis wieder 5-6 Zodiacs vor uns rausgefahren und schmeißen ihre Taucher ab, hauptsächlich aber über Nemo City.  Wir fahren an Tauchern vorbei die ihren TG beendet haben, Sie zeigen uns 15 Hammerhaie an. Doch unter Wasser entscheidet der richtige Augenblick über alles. Wir finden zumindest noch zwei von Ihnen. Und einen grauen Riffhai. Dafür kommen wieder Barracudas und große Stachelmakrelen sehr eng auf Tuchfühlung. Am Ende des TG tauchen wir 20m vor Nemo City auf, knapp verpasst :(
Wieder an Bord geht es bei spiegelglatter See zügig Richtung Rocky/Zabargad. Und beim abendlichen Schoppen verglüht unzählige Sekunden ein Komet in der Erdumlaufbahn. Unfassbar... Am nächtlichen Sternenhimmel gehen im 15-Min-Takt die Sternschnuppen runter. Alle Sternbilder sind wunderschön klar und deutlich zu sehen. 
Platt von 4 Tauchgängen geht es früh ins Bett und wir schlafen nahezu bis 5 Uhr durch. 
Rocky Islands im Süden Ägyptens
Rocky Island / Zabargad:
schwimmender Sternenhimmelstrudelwurm
Halten wir uns nicht länger damit auf. Man kann nicht überall Glück haben. An Rocky Island machen wir zwei Tauchgänge bei ca. 20m Sicht ohne nennenswerte Großfischsichtungen, als Höhepunkt mag ich hier eine frei schwimmende Muräne anführen. Weiter nach Zabargad. 
Zabargad liegt wahrlich traumhaft. Mit einer atemberaubenden Lagune hinter dem Riffgürtel verbreitet es vorzügliches Südseeflair! Und auch der Tauchgang macht Lust auf mehr!
Ein freischwimmender Sternenhimmelstrudelwurm, große und kleine Drachenköpfe, Flötenfische, Clownfische, Juwelierfisch, großer Napoleon. Sehr viel kleine Schwarmfische, 2 große Igelfische, Kofferfische und ein Muränlein. 

Sataya
Blauklingen-Nasendoktorfisch
Es beginnt in Sataya bei Nacht. Das eigentliche Ziel sollen am nächsten Morgen die Delfine in der großen Lagune sein. In Sataya ist bei Nacht eines sicher: Die indischen Rotfeuerfische warten auf euch! Wie dressierte Hunde begleiten Sie euren Lichtkegel und versuchen mit seiner Hilfe zu jagen. Doch Vorsicht! Mitunter schwimmen Sie genau unter euch und ihr packt aus Versehen in ihre Stacheln! Ich schicke Sie immer einen Taucher weiter und kann zwischen Sand und kleinen Felsen insgesamt 4 Krebse, eine Pyjamanacktschnecke, 3 gebänderte Scherengarnelen, viele Maskenkugelfische, einen Blauklingennasendoktorfisch und einen Haufen Flötenfische enttarnen, die aber die Nähe meiden.




Sataya bei Tag - Sind die Delfine diesmal da?

Heute fällt es mir das erste mal schwer aufzustehen, und Bock auf Tiefe habe ich auch nicht. So starten wir vom Boot und gehen nicht mit ans Außenriff von Sataya. Lohnt sich meiner Meinung nach auch nicht. Lieber vom Boot an der Riffkante entlang in Richtung Steinkorallengarten und wieder zurück. Wer da die Augen offen hat, der erlebt ein FEST! 
Wir feiern es ganze 93 Minuten lang mit 3 Muränen, einem großen Napoleon, jeder Menge im Sandkasten spielenden Blaupunktrochen, Büffelkopfpapageienfischen und Nacktschnecken. Zusätzlich füllen das Riff mehre Schwärme gelber Meerbarben und Wimpelfische. Und ulkigstes Highlight ist ein durch die nasse Wüste hüpfender Drachenkopf, putzig =)



Doch dann geht es nach dem Frühstück zum wahren Highlight. Den Delfinen. Und diesmal sind Sie da! Ohne viel Worte, schaut einfach das Video:



Doch das straffe Programm mahnt zum fortfahren. Shaab Claudia und Silengat sind die weiteren Tauchplätze bis zum Abend. 
Shaab Claudia war bereits im Frühjahr und ist auch weiterhin immer ein oder zwei Tauchgänge wert. Die prächtigen Farbenspiele innerhalb der Höhlen und Durchgänge sowie der Reichtum an kleinen Schätzen lässt die Zeit vergehen wie im Flug. Sowohl große Kofferfische, Clownfische in wunderschönen Anemonen, als auch kleine Preußenfische sorgen für Unterhaltung im Riff.




Shaab Sharm:
Auch am Shaab Sharm möchte ich mich nicht lange aufhalten, wenn doch es ein kleines Hailight und eine Premiere beitrug. Ein kleiner Weißspitzenriffdackeln und mein erster selbst gefundener LaNaBüBa in einer großen Fächerkoralle belohnten die Suche. Unser Weg führte uns beginnend auf der nördlichen Ecke des Plateaus gen Westen am Riff entlang.



Habili Marsa Alam und Abu Dabbab 2+3:

Das Habili Marsa Alam ist ein kleiner Felsblock ein paar hundert Meter dem Shaab Marsa Alam vorgelagert und bietet jetzt nicht die größten Überraschungen. Aber man weiß ja nie was kommt, deshalb werde ich mich hüten euch zu empfehlen den Tauchgang auszulassen wenn es an diesen Platz geht ;)

Zumindest der erste Krokodilsfisch sonnt sich unter Palmen im Riff.
Und auch Abu Dabbab punktet zwar mit schönen Steinkorallen aber das reicht dann leider auch nicht für die vorderen Plätze im Ranking.

Sepia beim Nachttauchgang in Abu Dabbab 2+3

Das Ende naht - Elphinstone
Es geht wieder ans Riff der sich scheidenden Geister. Für die einen DAS Highlight schlechthin im Roten Meer, für die anderen ähnlich überbewertet wie die Leistungen von Jürgen Klinsmann als Nationaltrainer Deutschlands. Um welches Riff kann es sich nur handeln? Na klar: Elphinstone! Und beide Meinungen sitzen natürlich an Bord: Meine Mutter des Meeres, Michael Supp von Supp Diving Heilbronn, liebt es! Ich verachte es, da es auch mich bisher verachtet hat. Wiederholte Gesten der Freundschaft und auch regelmäßige Besuche konnten das Riff bisher nicht umstimmen mich zu begeistern. Doch man muss es zweiteilen: Im Bereich von 0-15m ist die Klarheit des Wassers, die Artenvielfalt und der Fischreichtum immens und beeindruckend! Und immer wieder mal passiert ein Riffdackel oder eine Schildkröte das Feld. Nur weiter unten, insbesondere auf dem Schlachtplatz der Taucher, der Nordwestspitze,  blieb mir Glück bisher vergönnt. Und auch diesmal lässt Neptun die Pforten geschlossen. Starke, riffabtriebige Strömung  lässt nur zu, dass man auf dem Riff bis an die Spitze schwimmt und dort ca. 15Min. wartet. Zum Zeitvertreib kann man immer wieder zwei Clownfischen in einer Anemone beim posieren zuschauen während der Rest Ausschau hält, aber es bleibt ruhig. Nur Taucher schlagen immer wieder neben uns ein. So tauchen wir den Rest auf 5m am Riff entlang aus und verzichten auf einen zweiten Tauchgang. 
(--> wie Elphinstone auch sein kann, dass gab es 1 Woche später im The Oasis)



Den zweiten Tauchgang verbringen wir in Marsa Shona Schildkröten suchen. Wir konzentrieren uns aufs Seegras. Es wimmelt von Kuhfischen und Grundeln. Ein scheuer, wunderschön bepunkteter Federschwanzrochen getraut sich nicht so recht ins Scheinwerferlicht. Er sucht immer wieder den Schutz der Staubwolken am Grunde des Seegrases. Und wir hinterher, in der Hoffnung in der Staubwolke befindet sich eine Schildkröte oder sogar das Dugong. Doch meißt sind es nur Kuhfische oder Drücker die den Boden umwälzen.  Nach gut einer Stunde wird die äußerst strukturiert und diszipliniert durchgeführte Suche nach etwas großem belohnt. Eine Schildkröte mampft uns entgegen. Wenige Schnappschüsse später ist Sie jedoch auf dem Weg nach oben um Luft zu holen und entschwindet dann wieder im Staub. Allerdings ist Neptun hier wesentlich milder gestimmt. Kurz vor Schluss finden wir Sie erneut und verbringen diesmal ausgiebig Zeit mit ihr. 



Das war's! Fertig ist eine entspannende und zugleich wunderschöne Tauchsafari durch Daedalus, Rocky, Zabargad, die Fury Shoals und Elphinstone. Wirklich nachhaltig im Gedächtnis bleiben wieder die Hammerhaie am Daedalus-Riff, die Delfine in Sataya und auch die Schildkröte vorn Marsa Shona bekommt ihren festen Platz im Gedächtnis für kühle und dunkle Wintertage.

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